Am 5. Juni stand der vorletzte Saisonkampf an. Zu Gast war der Altonaer SK, der mit nur 6 Mannschaftspunkten gegen den Abstieg spielt. Wir gingen mit 12 Punkten und beruhigendem Vorsprung in den Kampf, und auf dem Papier war ein Heimsieg drin. Mit einem Sieg könnten wir aus eigener Kraft den Staffelsieg perfekt machen. Aber Papier ist geduldig.
Die Aufstellung bot ganz vorne ein ungewohntes Bild. Rainer feierte sein Debüt für die Mannschaft an Brett 1 und Dominik freute sich, dass er an Brett 2 mit weiß spielen durfte. Aras spielte die Blitz-Elo-Challenge in Blankenese, sodass es regulär mit Eva an Brett 3 bis Brett 8 weiterging.
Der Mannschaftskampf
Es wurde ein zäher Abend. Altona kam mit Wiener, Parindra, Brauner, Topuz, Ertelt, Polimetla, Christ und Gökten – also quasi der Topaufstellung – und ließ sich von der Abstiegsbedrohung nicht beeindrucken. Wir liefen die gesamte Partie einem Rückstand hinterher.
Den Auftakt setzten unsere Gegner: 0:1 nach Rainers Brett, der sich einen strategischen Fehler erlaubte, 0:2 nach Jonathans, der meinte in der Eröffnung blitzen zu müssen und die Qualität einstellte. Plötzlich standen wir zwei Bretter im Rückstand, und ein Mannschaftspunkt schien in weiter Ferne. Dann kam der erste Lichtblick mit Alexander (1:2), der die Partie des Tages ablieferte, bevor Martin verlor und es 1:3 stand. Die aus der letzten Saison bekannten Gewitterwolken schwebten längst über uns. Es brauchte nun mindestens 3 Punkte aus den verbleibenden vier Brettern, um zumindest das Remis zu retten. Haben wir diese Comeback-Qualitäten?
Tobias machte mit Remis in einer von ihm selbst als „langweilig“ beschriebenen Partie das zarte 1,5:3,5. Leopold legte mit einem Sieg das 2,5:3,5 nach und das Gewitter flaute langsam ab. Dominik stand zu dem Zeitpunkt an Brett 2 schon klar besser und die Hoffnung ruhte nun auf Eva. War mindestens ein Remis drin? Ja! Und es wäre eventuell noch mehr für Eva drin gewesen, aber sowohl Eva als auch ihr Gegner haben das Remis als Win-Win gerne angenommen. Sowohl für uns als auch Altona bringt ein Punkt in der Tabellenkonstellation sehr viel. Somit stand es 3:4 gegen uns und mit Dominiks vorteilhafter Stellung die Wende auf Tuchfühlung. Lange versuchte der Gegner sich noch zu verteidigen, aber rasiermesserscharf fand Dominik immer die passende Antwort. Den letzten Punkt setzte damit Dominik am ungewohnten Brett 2: 4:4!
Ein Punkt, der sich nach all dem Hin und Her wie ein Sieg anfühlt. Und die Lehren der Runde: Rainer ist da, und Dominik kann auch an Brett 2 gewinnen.
Die einzelnen Partien
Brett 1: Rainer – 0 : 1
Die Partie hat keiner verstanden, es wurde schnell runtergeblitzt und dann schnell die Hand rübergereicht. Die Engine sagt in den entscheidenden Situationen immer noch Ausgleich, obwohl die schwarze Stellung auseinanderzubrechen zu scheint. Die Partie endete mit einem Einsteller. Das war ein Missgeschick, das sicher auf die mangelnde Spielpraxis zurückzuführen ist und den Stress, direkt von der Arbeit ans Brett zu kommen.
Brett 2: Dominik – 1 : 0
Eine Stellung sagt mehr als 1000 Worte:

Brett 3: Eva – ½ : ½
Aus einem lahmen Holländer wurde eine interessante dynamische Stellung mit einem schwarzen Isolani auf e4, der das weiße Spiel etwas einschränkte. Schwarz fühlte sich gut, Lucas Brauner als Weißer, wie sich in der Analyse herausstellte, schlecht. Der Blick auf die Engine am nächsten Tag zeigt keinen klaren schwarzen Vorteil, aber Initiative. Wenn die Saison bisher anders gelaufen wäre, hätte ich es mit mehr Selbstvertrauen natürlich weitergespielt. Das 4:4 abzusaven fürs Team war aber auch sehr verlockend.
Brett 4: Jonathan – 0 : 1
Das ging leider schon in der Eröffnung schief. Wie schon beschrieben brauchen wir hier ein Zeitmanagement, aber in die andere Richtung! Und eine virtuelle Strichliste vor dem Zug, die auch den Punkt „Was droht mein Gegner“ enthält…
Brett 5: Alexander – 1 : 0
Wie oben beschrieben, die Partie des Tages: Alexander entwickelte sich in einem Katalaner gut und machte, als sich irgendwann die e-Linie geöffnet hatte, Druck auf den Bauern e3. Dass er den schließlich gewann und in ein Bauernendspiel mit Mehrbauern abwickeln konnte, war an sich noch nichts besonders, wie er aber dieses mit Springer gegen Läufer und aktivem König mustergültig verwertete, macht die Partie wirklich komplett – Alexander hat wirklich Fortschritte gemacht, Bravo!
Brett 6: Martin – 0 : 1
Wieder einmal brachte sich Martin leider selbst um die Früchte seiner Arbeit: Ein guter Partieaufbau mit kleinem Vorteil in seine Richtung, doch mit immer knapper werdender Zeit geriet er ins Schlingern und verlor einen Bauern und danach komplett die Kontrolle über die Stellung. Das ist ein klarer Plan für die kommende Saison – ein besseres Zeitmanagement.

Brett 7: Leopold – 1 : 0
Leopold spielte eine gute und reife Partie mit Schwarz gegen 1. d4. Die Stellung befand sich lange im Gleichgewicht und wie genau es zum Umschwung kam und Leopold einige Bauern gewinnen konnte, ist in der eigenen Konzentration auf die Partie untergegangen. Leopold erbeutete aber schon seinen dritten vollen Punkt in dieser Saison, klasse!
Brett 8: Tobias – ½ : ½
Tobias spielte gegen einen Franzosen und hielt die Stellung geschlossen. Ein Strategieduell entwickelte sich und Tobi musste immer aufpassen, dass sein Gegner nicht auf c2 eindringt. Das verhinderte dann auch, dass er weiter in der e-Linie weiter Fortschritte machte und so nahm der die Punkteteilung mit.

Endstand: 4:4
Mit dem Remis erhöhen wir auf 13 Mannschaftspunkte. Fischbek hat parallel ebenfalls unentschieden gespielt und steht nun bei 10. Damit sind wir uneinholbar Erster und steigen in die Stadtliga auf!
Beendet ist die Saison damit aber noch nicht. Auswärts wartet zum Saisonabschluss Königsspringer, ebenfalls im Abstiegskampf, ebenfalls hochmotiviert. Ein dickes Brett, das uns vor eine ganz eigene Mission stellt: ungeschlagen durch die Saison zu kommen.
Unseren Freunden von HSK 13 drücken wir gegen Fischbek ebenfalls die Daumen, welche Platz 2 im direkten Duell behaupten können!
