Am 19. Juni stand der letzte Saisonkampf an, auswärts bei Königsspringer. Für die Tabelle ging es für uns um nichts mehr, der Aufstieg in die Stadtliga war längst gesichert. Es ging um etwas anderes: die ungeschlagene Saison. Königsspringer dagegen kämpfte gegen den Abstieg und hatte allen Grund, alles in die Waagschale zu werfen.
Am Ende hat es mit der Mission nicht geklappt. Mit 3,5 : 4,5 mussten wir die erste und einzige Niederlage der Saison hinnehmen. Bitter, aber im Rückblick auf eine herausragende Spielzeit gut zu verschmerzen.
Der Mannschaftskampf
Dominik gönnte sich diesmal eine Pause, nach einer Saisonbilanz von 9 aus 9 inklusive Hilfseinsatz in der Stadtliga absolut wohlverdient. Rainer radelte kurz nach 19 Uhr an und nahm an Brett 1 Platz.
Königsspringer trat an mit Schroeter, Hanssen, K. Kipke, M. Kipke, Samm, Bongartz, Cinar und Köser. Anhand der Aufstellung erkennt man, dass sie kein Interesse an einem Abstieg haben und noch mal alles geben wollten.
Den Auftakt machte Rainer mit einem Remis an Brett 1: 0,5 : 0,5. Dann geriet es ins Rutschen. Tobias verlor (0,5 : 1,5), Leopold remisierte (1 : 2). Es folgten zwei Lichtblicke: Jonathan glich brettpunktmäßig auf, dann zog Alexander nach, und beim Stand von 3 : 2 schien die Mission noch quicklebendig. Martin sorgte mit Remis für das 3,5 : 2,5, und es brauchte nur noch einen halben Punkt aus den letzten beiden Brettern. Genau diesen halben Punkt blieben uns Aras und Eva schuldig, beide mussten sich geschlagen geben. Aus 3,5 : 2,5 wurde 3,5 : 4,5, und die Mission war Geschichte.
So knapp, so bitter, so spät in der Saison.
Die einzelnen Partien
Brett 1: Rainer – ½ : ½
Bei Rainers Duathlon Fahrrad und Schach war eindeutig die Anreise auf dem Veloziped schweißtreibender. In der Partie verstand es Baldur Schröter mit Schwarz, das Gleichgewicht zu halten. Es gab auch in der Partie nur eine offene Linie. Diese hatte Rainer zwar unter Kontrolle, aber keine richtigen Einbruchschancen. Punkteteilung deshalb folgerichtig.
Brett 2: Aras – 0 : 1
Aras gewann früh einen Bauern, musste dafür aber die Initiative seinem Gegner überlassen. Umsichtig verteidigte er die schwierige Stellung und befreite sich Zug um Zug mehr. Die präzise Verteidigung hatte allerdings ihren Preis: Sehr viel Zeit ging dabei verloren, sodass Aras ab dem 20. Zug nur noch auf Inkrement spielte. Und ausgerechnet in dem Moment, als er selbst zum Angriff überging, übersah er eine letzte Taktik des Gegners. Plötzlich war ein Matt nicht mehr zu verhindern. Bitter, denn gegen einen starken Gegner hat Aras hervorragend gespielt und stand über mehrere Züge klar auf Gewinn.
Brett 3: Eva – 0 : 1
Ein weiteres Drama in der Fortsetzungsserie dieser Saison: wie erarbeite ich mir eine Gewinnstellung und schaffe es dann noch, sie sogar noch einzustellen. Schon im 23. Zug konnte Kevin Kipke quasi nichts mehr ziehen, ohne in Nachteil zu geraten. Mehrere aktive Züge zeigen +7, aber auch der schüchterne Zug gibt immer noch +5. Wie mir das entgleiten konnte, ist wirklich sehr lehrreich und ich verspreche, für die kommende Stadtligasaison daran zu arbeiten 😉
Brett 4: Jonathan – 1 : 0
Jonathan bekam mit Schwarz das Evans-Gambit serviert, eine der ältesten Angriffswaffen des romantischen Schachs. Er nahm den Bauern mit und entwickelte sich solide. Sein Gegner rochierte im 7. Zug etwas voreilig und stand danach leicht passiv.
In der Mitte der Partie wurde es wild. Nach gegenseitigen Ungenauigkeiten im Zentrum stand Jonathan kurz schlechter, doch sein Gegner revanchierte sich mit 20. Te1?? und ließ den Vorteil wieder verpuffen. Ab da ging es Schlag auf Schlag: Jonathan schnappte sich mit 22…Lxh3 einen Bauern und brachte den weißen König in Bedrängnis. Es folgte ein zähes Hin und Her, in dem beide Seiten Chancen vergaben (auch Jonathan ließ mit 28…Sf4 einen klaren Gewinn aus), doch der letzte Fehler gehörte Weiß: Nach 30. Sf3?? setzte Jonathan mit 30…Lf4 und 31…Le3+ den Schlusspunkt. Sein Gegner gab auf.
Keine fehlerfreie Partie, aber eine, in der Jonathan in den entscheidenden Momenten wacher war als sein Gegner. Wichtiger Brettpunkt zum zwischenzeitlichen Anschluss.


Ein toller Angriffssieg – hier geht es dem weißen König gleich an den Kragen. Besonders toll war, dass Jonathan richtig gut konzentriert war und ausreichend Zeit investiert hat! Foto: Angelica Winklmann
Brett 5: Alexander – 1 : 0
Alexander baute mit Weiß ein breites Zentrum auf (e4, d4, f3) und nahm früh Kurs auf Initiative. Sein Gegner versuchte mit …Lb4 und …dxc4 Gegenspiel, geriet aber zunehmend in die Defensive. Nach dem Damentausch im 22. Zug und dem zentralen Durchbruch 22. d5 wurde die schwarze Stellung löchrig. Den Rest erledigte ein elegantes Springermanöver: Sf4 nach d5, weiter nach e7, zurück nach d5 und schließlich mit 28. Sc7 in die schwarze Stellung eingeschlagen. Der Springer gabelt Turm und Läufer, Material geht verloren, und Alexander hatte das Brett im Griff. Eine sehr saubere, strategisch geführte Partie.
Brett 6: Martin – ½ : ½
Martin kam eher passiv aus der Eröffnung und stand positionell einen Tick schlechter. Im Endspiel gelang ihm die Befreiung, und für einen kurzen Moment war sogar die Initiative zum Greifen nah. Diese Chance verstrich jedoch, und mit Dauerschach einigte man sich folgerichtig auf Remis. Ein zäh erkämpfter halber Punkt.

Brett 7: Leopold – ½ : ½
Für Leopold gab es ein Wiedersehen mit eigener Geschichte: Er traf auf denselben Gegner, gegen den er in der vergangenen Saison recht klar verloren hatte. Diesmal lief es deutlich besser. Stabil aus der Eröffnung heraus erspielte er sich einen leichten Vorteil. Nach dem Damentausch verflachte die Partie allerdings zusehends, und ein Remis war am Ende unausweichlich. Für Leopold trotzdem ein schöner Fortschritt gegenüber dem letzten Aufeinandertreffen.

Brett 8: Tobias – 0 : 1
Tobias spielte mit Schwarz die Tarrasch-Verteidigung und stand nach der Eröffnung sogar einen Tick besser. Dann packte er das alte Läuferopfer auf h2 aus, ein Klassiker des Angriffsschachs, der hier allerdings nicht ganz hielt, was er versprach. Sein Gegner nahm an, der weiße König spazierte über g3 ins Freie, und Tobias setzte mit Sg4+, Dg5 und Dh6 nach.
Und dann wurde es kurios. Mitten im Getümmel patzte sein Gegner mit 19. Kxg4?? und legte Tobias den Ausgleich, ja sogar den Gewinn auf dem Silbertablett vor: 19…Lxf5+ hätte die Partie gedreht. Doch im Eifer des Gefechts griff Tobias sofort mit 19…Dxg2+?? zu, übersah die richtige Reihenfolge, und nach 20. Dxg2 war die Dame weg. Aufgabe.
So schnell kann Schach sein. Ein mutiger Angriff, ein Gegner, der ihn fast selbst beendet hätte, und am Ende doch die falsche Schlagreihenfolge. Tobias hat in dieser Saison gezeigt, dass er angreifen kann. Diesmal fehlte im entscheidenden Moment nur ein einziger Zwischenschach.
Endstand: 3,5 : 4,5
Mit der Niederlage bleiben wir bei 13 Mannschaftspunkten und damit souverän auf Platz 1. Der Aufstieg in die Stadtliga stand ohnehin fest. Besonders schön: Mit HSK 13 landete eine weitere unserer Mannschaften mit 12 Punkten auf Platz 2. Ein Doppelerfolg für den Klub. Königsspringer sicherte sich mit nun 8 Punkten den Klassenerhalt, was die Motivation des Gegners an diesem Abend bestens erklärt.

Rückblick auf die Saison
Am Anfang stand ein Versprechen, halb ernst, halb augenzwinkernd. Nach einer Vorsaison als HSK 11, in der wir trotz einer ganzen Serie hauchdünner 3,5 : 4,5-Niederlagen punktlos blieben, formierten wir uns neu als HSK 12. Das Motto war schnell gefunden: nicht mehr nur knapp verlieren, sondern selbst öfter mal voll auf die 12 geben. Neun Runden später ist aus dem Spruch Ernst geworden.
Der Weg dahin hatte Dramaturgie. Es begann mit zwei Unentschieden, die sich besser anfühlten als manch ein Sieg. Zum Auftakt gegen HSK 13 lagen wir schon 1 : 3 hinten, ehe wir den Kampf noch zum 4 : 4 drehten. Jonathan schlug dabei einen Hockey-Olympiasieger, Dominik holte aus schlechterer Stellung den Ausgleich. In Runde zwei gegen Diogenes 3 standen wir stark ersatzgeschwächt da, und doch reichte es erneut zum 4 : 4. Edeljoker Marvin sprang an Brett 8 ein und punktete. Schon hier zeigte sich, was die Saison prägen sollte: Diese Mannschaft trägt sich gegenseitig, egal wer am Brett sitzt.
In Runde drei beim SC Sternschanze fiel der erste Sieg der noch jungen Mannschaftsgeschichte, ein 4,5 : 3,5. Dominik war mit 3 aus 3 die Bank am Spitzenbrett, Alexander gab beim Stand von 4 : 3 mannschaftsdienlich sofort Remis. Runde vier gegen Wilhelmsburg brachte den nächsten Sieg. Tobias punktete trotz Krankheit, Leopold gewann eine zähe Partie und sammelte Selbstvertrauen.
Nach der Osterpause kam die Mannschaft erst richtig in Fahrt. In Fischbek (4,5 : 3,5) und gegen Marmstorf 2 (6 : 2) blieben wir nicht nur ungeschlagen, sondern übernahmen die Tabellenführung. Den Höhepunkt setzte das Schicksalsspiel bei den Schachelschweinen, wo wir mit 6,5 : 1,5 ein Ausrufezeichen setzten und die Vorentscheidung im Aufstiegsrennen herbeiführten. Timofej sprang für die abwesenden Jonathan und Leopold ein und gewann, als wäre er nie etwas anderes gewesen.
In Runde acht gegen Altona machten wir es nochmal spannend. Nach 1 : 3-Rückstand drehten wir den Kampf zum 4 : 4, und mit diesem Punkt war der Aufstieg rechnerisch nicht mehr zu nehmen. An diesem Abend gab auch Rainer endlich sein Saisondebüt, nachdem es terminlich die ganze Saison über nicht gepasst hatte.
Was bleibt, sind ein paar Konstanten. Dominik war mit 8 aus 8 der Fels am Spitzenbrett. Aras lieferte am zweiten Brett Spitzenschach gegen deutlich erfahrenere Gegner. Tobias erwischte Sahnetage und bittere Abende, gab aber jedes Mal alles. Martin sammelte Glück und Können in wechselnden Dosen, Eva war auf und neben dem Brett allgegenwärtig und schrieb selbst die schönsten Berichte. Jonathan, Leopold und Alexander entwickelten sich Partie für Partie weiter. Dazu die vielen Helfer im Hintergrund: Marvin und Timofej als Einspringer, Angelica als rasende Reporterin, Nils als verlässliche Größe.
Am Ende der letzten Saison hieß es noch: Willst du unsere Mannschaft oben sehen, musst du die Tabelle drehen. Diese Saison ist das anders. Wir stehen oben, ganz ohne Tabelle drehen. Auf in die Stadtliga!
