Freitagabend, 19 Uhr: Ohne jeden Zweifel für uns der Höhepunkt in dieser Saison. Sebastian hat heute nur auf unsere Kernmannschaft gesetzt. Ausgerechnet unser 1. Brett: Florian Kugler fällt aus, doch auch damit wissen wir umzugehen, wie mit so vielem anderen in dieser Saison. Wir stehen vor diesem Match auf dem drittletzten Platz, also auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Wir haben 5 Punkte, uns folgen HSK 7 mit 4 Punkten und dann Blankenese mit 3 Punkten. Ob wir absteigen oder nicht, hängt also nicht nur von uns ab. Wir aber wollen unser Bestes geben. Union Eimsbüttel ist schlicht Union Eimsbüttel, ohne Nummer dahinter, das heißt, wir spielen gegen die erste Mannschaft von Union, alle Spieler haben wenigstens DWZ 1900, die meisten mehr als 2000 DWZ.
20.30 Uhr und schon hat Armin verloren. Holländisch wie aus dem Theoriebuch und dennoch verliert Armin Meibauer am fünften Brett gegen Stefan Kayser zunächst den Überblick, dann eine Figur und somit die Partie.

In dieser Stellung (nach 16. …Se4) hat Weiß nicht nur bereits
einen Bauern gewonnen, sondern steht schon deutlich besser.
Wie kann Armins Gegner jetzt entscheidenden Vorteil erlangen?
Nur eine halbe Stunde später gleicht Ivan Ahryzkov gegen Lutz Franke am zweiten Brett aus. In wohl doch schon leicht vorteilhafter Stellung für Ivan macht sein Gegner einen katastrophalen Fehler, schlägt mit dem Läufer auf h2, der dann mittels g3 vom weiteren Geschehen ausgeschlossen wird. Ivan gewinnt jetzt leicht.

Nach 37. g3 ist der schwarze Läufer eingesperrt und die Partie entschieden.
Die Umwandlung von Ivans b-Bauern ist nur unter großem Materialverlust zu verhindern.
Auf einmal Aufregung an Brett sechs. Elvin Bachschisadeh steht auf, schiebt alle Figuren zusammen und gratuliert seinem Gegner. Er hatte wohl mehr von seiner Angriffsstellung erwartet. Nun, eingeholt von der Wirklichkeit, bleibt ihm nur die Aufgabe gegen Klaus-Martin Rehm. Wir liegen wieder hinten.
Um 22 Uhr ein Remis zwischen unserem Captain Sebastian Kurch und Benjamin Zarriess am siebten Brett. Sebastian hat eine sehr solide Partie gespielt. Er geriet nie in Gefahr zu verlieren, hatte aber leider auch nie die Chance zu gewinnen.
Zehn Minuten später verliert Samuel Wiethüchter heute am ersten Brett gegen Andreas Schultz und hadert mit seinem Schicksal. Später hören wir von ihm, die Saison war schrecklich, immer gegen so starke Gegner… nächstes Jahr bitte leichtere Gegner.
Nach weiteren 5 Minuten gewinnt Davyd Derhay am dritten Brett gegen Andreas Foerster. Im Mittelspiel wusste sich Davyds Gegner nur durch das Geben einer Qualität am Leben zu halten. Davyd wickelte ab und gewann das Endspiel.

Nach 25. exf4 überrascht Davyd seinen Gegner mit dem Einschlag: 25. …Sxg2!
Die Engine fordert einen anderen Zug und sieht nach diesem Opfer noch
keinen Vorteil für Schwarz. Doch die Wirkung auf Davyds Gegner bleibt nicht aus:
Kurz darauf findet dieser nicht die richtige Fortsetzung und gibt für den Springer
einen Turm zurück.
Jetzt liefen nur noch die Partien von Christian Wolf an Brett vier gegen Ralf Adloff und Peter Grotrian gegen Joerg Nielsen an Brett acht. Beide hatten eigentlich gut begonnen, doch mit zunehmender Spieldauer schlug das Pendel zu Gunsten der Gegner aus.
Wir haben also mit 2,5:5,5 Punkten verloren. Doch was würde das bedeuten? Im parallellaufenden Wettkampf lag HSK 7 1,5:3,5 Punkte hinten, aber die letzten drei Bretter sahen gut aus für HSK 7. Zwei davon wurden auch schnell gewonnen, nur das letzte Spiel war schwierig. Wir waren überzeugt, dass HSK 7 das schon schaffen würde und hatten ja auch keine Ahnung vom Ergebnis in Niendorf gegen Blankenese. So fuhren wir alle schon leicht bedrückt nach Hause: Wenn HSK 7 gewinnt, liegen sie vor uns; und wir steigen ab. Ab jetzt hieß es online auf der Verbandsseite schauen. Bald war klar, Niendorf hatte gewonnen, Blankenese blieb also hinter uns.
Keine Nachrichten von unserer Schwestermannschaft vom HSK. Dann, eine Nacht später, am Samstagmorgen die erlösende Gewissheit: der Wettkampf war 4:4 ausgegangen. Mit einem Vorsprung von 1,5 Brettpunkten waren wir auf dem Nichtabstiegsplatz verblieben.
Link zur Tabelle der Stadtliga A beim Hamburger Schachverband.