Seit Wochen ist es klar. Heute müssen wir gewinnen, sonst steigen wir ab. Entsprechend hat unser Non playing-Captain Sebastian Kurch aufgestellt. Leider kann Florian Kugler heute Abend nicht. Doch wir haben drei starke Ersatzspieler am Start. Also, vielleicht klappt es ja.
Um 19 Uhr geht es pünktlich los. Am achten Brett spielt heute Abend Yoness Moussavizadeh für uns gegen Michael Gutschmidt. Mit Yoness habe ich früher ganz oft zusammengespielt. Ich bin sehr aufgeregt, werde ich ihn doch jetzt zum ersten Mal seit fünfzig Jahren sehen. Werde ich ihn überhaupt erkennen? Naja, die Haare sind kürzer und grauen geworden, aber der Schachstil ist gleichgeblieben. Kommen wir beide doch aus der Schule von Christian Zickelbein, und das heißt, es gibt nur einen Weg, den Königsangriff. Und das spielt Yoness heute vorbildlich. Als er Df5 spielt und damit endgültig den Sack zumacht, erkenne ich, dass Yoness nichts verlernt hat in den vergangenen Jahren. Ein paar Züge werden noch gespielt, dann ist der erste Punkt für uns heute eingefahren. Vielen Dank, Yoness , für deinen erfolgreichen Einsatz. Es ist erst 21 Uhr.

Die Stellung am 8. Brett nach: 18. … Dd8.
Wie setzt Weiß am besten fort?
Und wir haben ja noch unsere Jugendlichen Ukrainer, von denen Davyd Derhay heute am dritten Brett gegen Okke Glatz ran muss. Obwohl Davyd Schwarz hat, gelingt ihm wieder einmal eine schöne Partie. Als sein Bauer auf g3 ankommt, ahne ich, dass dies auch heute wieder ein schneller Angriffssieg wird. Um 21.15 führen wir 2:0.

Der vorletzte Zug am 3. Brett: 28. Sd3.
Wie gewinnt Schwarz nun?

In dieser Stellung versucht Ivan am 2. Brett mit:
19. Kg2 seine Rochade (künstlich) nachzuholen.
Wie gelangt Schwarz danach in Vorteil?
Am vierten Brett spielt Christian Wolf gegen Ole Wolff. Unser Christian behält völlig den Überblick und weiß, dass wir grundsätzlich mit einem halben Punkt an diesem Brett zufrieden sind. Kurz vor dem Ende ergibt sich die Möglichkeit, eine Figur gegen Chancen zu opfern. Christian erwägt dies lange und entscheidet sich dagegen. Zum Glück: Auch die gemeinsame Partieanalyse später ergibt, dass das ein zu hohes Risiko gewesen wäre. Dann ergibt sich eine ausgeglichene Stellung, die Wölf(f)e einigen sich auf Remis.
Am zweiten Brett spielt Ivan Ahryzkov gegen Sami Al Amin. Unfair, ich weiß es ja, aber bei Ivan erwarte ich immer einen Sieg. Doch heute trifft er auf einen Gegner, der das nicht zulässt. Ivan verliert die Qualität und steht zunehmend schlechter. Sein eigenes Urteil: „Heute habe ich schlecht gespielt“ trifft es wohl am besten. Wir führen nach vier Partien um 22 Uhr mit nur noch einem Punkt Vorsprung.
Nach einer weiteren halben Stunde sind die Partien am sechsten und siebten Brett vorbei. Zunächst gewinnt Dominik Müller-Peters gegen David Schacht. Dominik hat frühzeitig einen und dann noch einen Bauern gewonnen und bis auf einen Läufer alle Figuren abgetauscht. Sehr souverän hat er schließlich das gleichfarbige Läuferendspiel gewonnen. Vielen Dank, Dominik für diesen schönen Einsatz bei uns.
Kurze Zeit später hat auch Kai Müller am siebten Brett seine Partie gegen Jan Zierott gewonnen. Kai war nicht gut aus der Eröffnung gekommen und büßte dabei eine Qualität ein. Dann allerdings entfachte er doch sehr viel Druck mit dem Läuferpaar und gewann am Ende noch. Jetzt hatten wir 4,5 Punkte, der Wettkampf war tatsächlich gewonnen.
Am ersten Brett sah es schon lange schwierig aus für Samuel Wiethüchter gegen Aaron Steinbach. Samuels Figuren konnten sich kaum bewegen, und diesen Vorteil konnte Aaron schließlich nutzen. Um 23 Uhr gab Samuel auf.
Es spielte nur noch Frank Neldner gegen Pelle Hansson. Frank spielte eine sehr gute Partie und gewann sogar eine Figur. Im Endspiel allerdings war nicht zu erkennen, wie er mit dem Turm und Springer nun gegen den Turm gewinnen sollte. Wohl hatten beide noch etliche Bauern, doch die weißen Bauern waren schon bedrohlich weit in Franks Stellung eingedrungen. Schließlich ergab sich eine Stellung, in der Frank der Zugwiederholung nicht mehr ausweichen konnte.
Der Wettkampf endete mit 5:3 Punkten für uns. Das heißt, wir dürfen weiter das Ziel verfolgen, nicht abzusteigen. Darüber freuen wir uns.
Text: Armin Meibauer
Diagramme: Christian Wolf
Link zur Stadtliga A beim Hamburger Schachverband