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Klubmeister 2008: Hartmut Zieher

Die A-Klasse des Klubturniers war spannend: Bis zur letzten Runde musste sich der Meister seiner jungen Verfolger Harout Dalakian und Malte Colpe erwehren, aber schließlich wahrte er einen halben Punkt Vorsprung vor Harout und einen ganzen vor Malte. Und da er sie beide geschlagen hat, ist der verdient Klubmeister 2008 geworden: Hartmut Zieher. Ich müsste nun sagen können, wie oft er’s schon war, aber für eine saubere Recherche ist keine Zeit, und unsere Homepage reicht nur bis 1998. Abgesehen von 1999, hat Hartmut zehn Jahre lang nicht mitgespielt. Seine Titel sind also älteren Datums, wird er doch während des Klubturniers 2009 sein 40-jähriges Klub-Jubiläum feiern! In der Tat ist Hartmut zwei Tage vor seinem 14. Geburtstag Mitglied des Klubs geworden, in der SG HHUB war er schon einige Jahre vorher aktiv. In den 60er Jahren begann das Kinder- und Jugendschach eben ein wenig später als heute, die Anfängerlehrgänge der SG HHUB wurden Fünft- und Sechstklässlern, nicht Grundschülern angeboten. Hartmuts härteste Konkurrenten im Titelkampf haben früher angefangen: Malte wurde mit neun Jahren, Harout mit zehn Mitglied des Klubs - wie Jonas Lampert, aber der war ein Jahr vorher schon beim SK Weisse Dame in Hamburg aktiv und hatte 2006 in der Schweiz mit neun Jahren schon eine DWZ über 1600 … Nun spielt Hartmut mit den Kids und Björn Bente erfolgreich in unserem Oberliga-Team, auch hier ist er mit 3 aus 4 einer der Top-Scorer, die für den Höhenflug ihrer Mannschaft sorgen, die in dieser Saison nicht wie zuletzt fast immer in Abstiegsnöte zu geraten scheint.

(Text: Christian Zickelbein)

 


Hartmut Zieher (r.), hier gegen WFM Ileana Rogozenco, kommentiert u. seine Partie
gegen seinen Nachbarn im Bild Jonas Lampert. Foto: HSK

Zieher,Hartmut (2200) - Lampert,Jonas (1791) [C47]
Klubturnier (5), 08.11.2008
[Hartmut Zieher]

Hartmut Zieher schrieb mir in einer Mail: "Ich habe meine Partie gegen Jonas Lampert ausgesucht und kommentiert. Es ist vielleicht nicht die beste Partie, aber sicher war es für mich die spannendste des ganzen Turniers und, wie man am Zuschauerinteresse gesehen hat, auch eine der unterhaltsamsten."
Ich füge hinzu: Hartmuts Kommentare machen auch deutlich, wie wichtig es für unsere jungen Spieler ist, solche harten Partien zu spielen und mit ihren Trainern, aber auch selbständig auszuwerten. Eine der nicht geringen Qualitäten von Jonas ist, dass er starken Gegnern nicht ausweicht, sondern sie sucht. [ChZ]

1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 Russisch, ach du liebe Güte! Mehrfach war das auch Thema des dienstäglichen Trainings mit Merijn (wo Jonas auch dabei ist). Für mich ist danach das Remis so logisch wie das Amen in der Kirche. Außerdem fürchtete ich eine raffinierte Vorbereitung von Jonas, also ... 3.Sc3 Sc6 4.a3 Das ist gar nicht so harmlos, wie es aussieht, wie ich selbst als Schwarzer in einem Norwegen-Turnier mal erfahren musste. Allerdings hatte ich jetzt auch keine Ahnung mehr von Theorie. 4...d5 na klar - vorwärts! 5.Lb5 d4 6.Sxe5? das ist zu optimistisch, nach 6.Se2 oder 6.Sb1 hat Weiß gute Aussichten 6...dxc3? Schwarz kann den kecken Springerausflug bestrafen: [6...Dd6 7.Sc4 Dc5 8.Sd5 (8.b4 Dg5) 8...Sxd5 9.exd5 Dxd5³] 7.Sxc6 bxc6 8.Lxc6+ Ld7 9.Lxa8 cxd2+ 10.Lxd2 Dxa8

Diese Stellung hatte ich bei meinem 6. Zug vor Augen. Mit intakter Bauernstruktur hatte ich mir gute Chancen gegen die beiden schwarzen Isolani und die noch etwas wackelige schwarze Königsstellung ausgerechnet. 11.0-0?! [11.f3] 11...Lc5 Hier musste ich das erste Mal lange grübeln. Der Druck gegen f2 und die Wirkung auf der Diagonale a8-h1 gefielen mir nicht. 12.Lb4?! [12.e5 Se4] 12...Sxe4 Jetzt kann er nicht mehr rochieren. Das schien mir einen Bauern wert ... 13.Lxc5 Sxc5 14.Te1+ Se6 15.Dd4 Kd8 ... doch nun marschiert der schwarze König munter nach c8, wo er gar nicht dumm steht. 16.Dd3 Kc8 17.Tad1 Dc6 18.b4 g6 19.De3 Db6 20.De5 [¹ 20.Df3] 20...Te8 Jonas hat sich recht geschickt verteidigt ... 21.c4 Sd4!? ... und ergreift jetzt sogar die Initiative 22.Dg7?! Hier steht meine Dame zu sehr im Abseits [22.Dd5 Txe1+ 23.Txe1²] 22...Txe1+ 23.Txe1 Sc2 24.Df8+ Kb7 25.Td1 De6³ 26.b5 Sd4 [26...De2!³] 27.h3? Nach diesem Fehler bei verrinnender restlicher Bedenkzeit stehe ich schon glatt auf Verlust. Erforderlich war 27.Dc5 [27.Dc5] 27...De2 28.Tc1

28...Lxh3! 29.gxh3 Hier lässt Jonas ein achtzügiges Matt aus. Die Zuschauertrauben um unser Brett wurden nun beständig größer. 29...Df3 [29...Sf3+-+ 30.Kg2 Sh4+ 31.Kg1 (31.Kg3 Df3+ 32.Kxh4 (32.Kh2 Dg2#) 32...Df4#) 31...Df3 32.Kf1 Dd3+ 33.Kg1 Dxh3 nebst Matt] 30.Te1 Die letzten zehn Züge vor der Zeitkontrolle musste ich nun runterblitzen. Meine Hoffnung konnte nur darin liegen, mich irgendwie in ein Endspiel zu retten. 30...Dxh3 31.Te3 Sf3+ 32.Txf3 Dxf3 33.Dc5 h6 [33...h5! 34.a4 h4-+] 34.a4 Dg4+ 35.Kf1 Dd1+ 36.Kg2 Dd6 37.De3? Ein grober Fehler in Zeitnot, da ich die Remisvariante nicht sah. Ich weiß, Zeitnot ist keine Ausrede. Klaus Berg sagte mir mal, diese Ausrede gleiche der eines Unfallfahrers, der sich damit entschuldigt, er sei ja betrunken gewesen. [37.Dxd6 cxd6 38.a5=] 37...De6 38.Df3+ Kb8 39.Df4 geschickt bereitet Jonas den Damentausch vor 39...h5! 40.Dd4 Dg4+ 41.Dxg4 hxg4 42.Kg3 f5 43.Kf4 Kb7

44.c5 [44.a5 c6 45.Ke5 cxb5 46.cxb5 Kc7-+] 44...a6 45.Ke5 axb5 46.axb5 Kc8 47.Kf4 Kd7 [47...Kd8 48.Ke5 Kd7 49.Kd5 c6+-+] 48.Ke5 Ke7 49.Kd5 [49.Kf4 Ke6-+] 49...f4 Als Alternative bot sich auch ein Dreiecksmanöver an: [49...Ke8 50.Ke5 Kd7 51.Kd5 c6+-+] 50.Kc6 meine einzige Chance 50...g3 51.fxg3 fxg3? Ein Fehlgriff. Einfach gewinnt Schwarz mit: [51...f3 52.b6 cxb6 53.cxb6 f2 54.b7 f1D 55.b8D Dc4+ 56.Kb6 Db4+ 57.Kc7 Dxb8+ 58.Kxb8 Kd6-+] 52.b6 cxb6 53.cxb6 g2 54.b7 g1D 55.b8D Dg2+ [55...Dd4] 56.Kc5 Hier mag es noch einige praktische Gewinnchancen für Schwarz geben. Es war die letzte offene Partie dieses Freitagabends. Wir waren beide erschöpft und so ergab sich bald die remisliche Endstellung. 56...Dc2+ 57.Kd4 Dd2+ 58.Ke4 De2+ 59.Kd4 Dg4+ 60.Ke3 Dg1+ 61.Kf3 Dd1+ 62.Kg3 Dg1+ 63.Kf3 Dd4 64.Dg8 Df6+ 65.Kg4 Df5+ 66.Kg3 g5 67.Dg7+ Ke6 68.Dg8+ Ke5 69.De8+ Kd4 70.Da4+ Ke3 71.Db3+ Kd4 Nach dieser Partie drohte Merijn Jonas ein verschärftes Endspiel-Straftraining mit Karsten Müller an. ½-½

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