Das Hamburger Schachfestival ist eröffnet!
Typisch Hamburgisch mit Dauerregen wurden die Teilnehmer des Hamburger Schachfestivals in der Hansestadt begrüßt
In der Sporthalle Hamburg aber war seit Freitag, 30. Oktober von über 40 Mitgliedern des Hamburger Schachklubs fieberhaft gearbeitet, um es den rund 400 Teilnehmern des Hamburger Schachfestivals so komfortabel und angenehm wie möglich zu machen. Aus vier Schulen haben die Mitglieder die Tische und Stühle geholt und waren von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr im Einsatz. Die Tischdecken wurden platziert, die Bretter aufgebaut und das Foyer vorbereitet. Nicht zuletzt wurde Netzwerk im Büro mit über 10 Rechnern installiert und für die Partieeingabe, die Homepage, das Bulletin und die Schiedsrichter vorbereitet.
Schon um 10 Uhr registrierten sich die ersten Spieler und holten sich Ihre ID-Cards, das Bulletin und einen Kugelschreiber ab. Bis 14 Uhr sollte dann eigentlich alles reibungslos über die Bühne gehen, doch war anscheinend besonders der Weg in die Sporthalle gerade für die Hamburger Spieler schwer zu finden, denn sie standen um 13 Uhr 55 noch in dicken Trauben vor den Registrierungsständen
Mit einer guten halben Stunde Verzögerung wurden die Registrierungsstände geschlossen und Schiedsrichter und Turnierdirektion zogen sich zum nochmaligen Checken der Listen zurück.
Leider fehlten in den zuerst ausgehängten Paarungen noch einige Spieler, so dass noch einmal gepaart werden musste. Auch im B-Turnier passierte dieses Missgeschick, so dass Christian Zickelbein, Vorsitzender des Hamburger Schachklubs und André van de Velde, Vorsitzender des Hamburger Schachverbandes, ihre Begrüßungsreden schon vor dem Erscheinen der endgültigen Paarungen hielten und alle Spieler zum Hamburger Schachfestival begrüßten. Schließlich konnten die Partien mit einer Stunde Verspätung starten - für die Verzögerung bitten wir um Verständnis!
Foto oben: Die Ruhe nach dem Sturm: Von der Tribüne blicken zufrieden auf die gedeckten Tische herunter: Sonja Perk-Bartz (l.) und Annette Kölbel, kreative Werberinnen und Schafferinnen des neuen HSK Images rahmen Nils Altenburg (zweiter v. l.) und Andreas Albers ein - Entspannung!
Foto oben: Toni Völschow aus Ribnitz-Damgarten, die uns in der Organisation an den ersten drei Tagen unterstützt, machte gemeinsam mit Katja Stellwagen von fast allen Teilnehmern super Fotos!
Besonders
kreativ ihre Motive mit Figur, bei denen viele Teilnehmer sehr spontan
mitmachten: Hier zum Beispiel Christian Schlesinger mit Dame!
Die Fotos werden wir nach und nach im Internet publizieren (wahrscheinlich erst ab Dienstag, wenn wir von ISDN auf DSL umsteigen können), auf der Turnier-CD speichern und natürlich auch für das täglich erscheinende Bulletin super verwenden können!
1. Runde: Eine große, zwei kleine Sensationen ...
Alles wie sonst, könnte man den Start
des Hamburger Schachfestivals zusammenfassen.
Als erstes durften die Teilnehmer auf dem Weg von der U-Bahn oder dem Parkplatz das
übliche Hamburger Schmuddelwetter erleben. Dann begann die 1. Runde, wie man es von
anderen Open auch kennt, wegen diverser Nachmeldungen eine Stunde später ...
Auch das Geschehen auf den Brettern bot in den ersten zwei Stunden kaum Überraschungen.
In scharfem Kontrast zur WM in Argentinien, man denke nur an den Tango furioso in Polgar -
Kasimdshanov - wurde heute in der Alster-Sporthalle Sicherheitsschach pur geboten, ganz
nach dem Motto nur nicht verlieren.
Mit fortschreitendem Kampf wurde es aber
spannender, an einer Reihe von Brettern kamen die Favoriten gehörig ins Schwitzen, und
die stets auf David-gegen-Goliath-Siege lauernden Kiebitze schienen auf ihre Kosten zu
kommen. Doch wie üblich behielten die Meister in den meisten Fällen die besseren Nerven
und machten die vorletzten Fehler - auch das gehört zum Meister sein.
Am Ende blieb es bei einer großen und zwei kleinen Sensationen. Der schwedische GM Thomas
Ernst (2459) unterlag der HSK Nachwuchshoffnung Frank Bracker (2064); und zwei
Hamburger nahmen fast 600 Punkte stärkeren Gegnern immerhin halbe Punkte ab:
Seniorenmeister Hans-Peter Koepcke (Union Eimsbüttel) hielt mit Schwarz stand
gegen den Elo-Favoriten GM Jevgeni Mirochnichenko, und der erst 10jährige Tobias
Müller (Marmstorf) konnte in einer fast sechsstündigen Partie schließlich das
Endspiel Dame gegen Dame + Bauer gegen den Stader Oberligaspieler Dieter Nodorp
remis halten.
GM Jevgeni Mirochnichenko (l.) gegen Hans-Peter Koepcke
Tobias Müller
Erster Großmeisterskalp für HSK Jugend
Frank Bracker (2064) - GM
Thomas Ernst (2459)
Hamburger Schachfestival 2005, A-Open,
Runde 1 Samstag, 1. Oktober 2005
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6
5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 Db6 Die Bauernraubvariante
8.Sb3 so spielte auch Leko des öfteren gegen Kasparov 8...Sbd7 [8...Le7]
9.Df3 Dc7 Die Dame hat den Springer von dem aktiven Posten auf d4 nach b3
zurückbeordert und muss dafür nun dem b-Bauern den Weg frei machen.
10.0-0-0 b5 11.a3!? Le7 12.Ld3 Lb7?! Schwarz sollte besser Tb8 mit der Idee b4 spielen
und es würde eine unklare Stellung entstehen. [12...Tb8! 13.The1 b4 14.axb4 Txb4÷]
13.Dh3! Nun wo der Läufer nicht mehr auf c8 die Diagonale c8-h3 indirekt
kontrolliert, kann Weiß diese Ungenauigkeit mit Dh3 ausnutzen. 13...h6 14.Lh4
14...g5? [14...0-0-0 15.Lf2²] 15.Lxg5 0-0-0 16.Lh4 Sc5
17.Sxc5 dxc5 18.e5 Sd5 19.Sxd5 Lxd5 [19...Txd5!?] 20.Lxe7 Dxe7 21.Le2 Db7 22.Lf3?! [22.Thg1
Weiß sollte nichts überstürzen und erst einmal seine Stellung konsolidieren]
22...Lxf3 23.Dxf3 [23.gxf3! nebst f5 und Weiß steht viel besser] 23...Dxf3 24.gxf3
Thg8? [24...Txd1+! 25.Txd1 Tg8 26.Td6÷ (26.b3 Tg2 27.Td2 Tg1+ 28.Td1 (28.Kb2 Tf1÷ das sollte Weiß nicht riskieren)
28...Tg2=)]
25.Tdg1! Diesen Zug hatte mein Gegner wohl übersehen. Weiß bekommt die g-Linie
25...Txg1+ 26.Txg1 Td4 27.Tg4 [27.f5!? Tf4 (27...exf5 28.Tg7 Tf4 29.Txf7
Txf3 30.Tf6 Tf1+ 31.Kd2 Tf2+ 32.Kd3 Txh2 33.Txf5=) 28.f6 (28.fxe6 fxe6) 28...Tf5
(28...Txf3 29.Tg7²)] 27...Kd7
[27...h5 28.Th4²] 28.f5!?
28...Txg4? [28...Td5 Während der
Partie erachtete ich diesen Zug als die einzige Möglichkeit noch zu kämpfen 29.fxe6+
Kxe6 30.Th4²]
29.fxg4 exf5 [29...Kc6 30.fxe6 fxe6 31.Kd2 Kd5 32.Ke3 Kxe5 33.h4 und Weiß gewinnt,
weil er einen entfernten Freibauern bildet]
30.gxf5 Kc6 31.Kd2! Kd5 32.e6 fxe6 33.f6!!+- nur so! Im ersten Moment dachte ich
sogar, dass Schwarz keine Möglichkeit mehr hat um den F-Bauern aufzuhalten 33...Kd6
34.Ke3 Kd7 35.Kf4 Ke8 36.b4 cxb4 37.axb4 Kf8 38.Ke4 Kg8 39.Ke5 Kf7 40.c3 h5 41.h4
1-0
Frank Bracker bei der Anmeldung - ahnte er schon etwas
-
jedenfalls guckt er ziemlich zuversichtlich!
Text und Fotos: Team Hamburger Schachfestival