3. Klaus-Junge-Open - 4. Runde
So langsam lichtet sich im A-Turnier das Feld und die ersten Favoriten, die bereits gepatzt hatten, schließen wieder auf. Am Spitzenbrett verteidigte sich GM Dorian Rogozenko sehr genau gegen GM Robert Kempinski. Dorian verzweifelte ein wenig an der Auslosung: „Es ist meine fünfte Partie gegen Robert und ich habe immer Schwarz!“ Immerhin hatte er bisher zweimal gewonnen und zwei Remisen, nicht schlecht gegen das 2. Brett der HSK Bundesliga-Mannschaft. Nun kam eine weitere Punkteteilung hinzu. Gestern war großes Mannschaftsessen der 2. Bundesliga beim Griechen „Bacchus“ am U-Bahnhof Lattenkamp und es stellte sich heraus, dass die sieben Spieler der 2. Bundesliga in der 4. Runde es auf ganze 6 Punkte aus 7 Partien brachten, wie meinte Stefan Sievers: „Na, wenn das kein gutes Omen ist“.
Von vielen Zuschauern umlagert war das Brett 2 an dem GM Vereslaw Eingorn gegen IM Viktorija Cmilyte gewann. Die Helden des Sonntags, Fabiano Caruana und Harald Schmidt, mussten heute Lehrgeld bezahlen gegen IM Youri Solodvnichenko und GM Friso Nijboer. Ganz schnell ging es bei GM Vladimir Baklan, der die Hamburger Legende FM Hauke Reddmann einfach überrannte. Überhaupt nicht ins Spiel kam GM Jonny Hector, dem Hamburg ja sonst eigentlich super liegt, hat er doch immerhin zweimal überragend die Hamburger Meisterschaft gewonnen. IM Yelena Dembo jedoch erwies sich gestern als zu stark und liegt nun als einzige Frau noch bei 3/3. Morgen wartet Robert Kempinski auf sie, aber auch gegen ihn wird sie sich sicher nicht verstecken.
GM Robert Kempinski
IM Youri Solodvnichenko
Die Überraschung der Runde
gelang dem Holländer Xander Wemmers, der in der Zeitnotphase gegen GM Stelios
Halkias, die bessere Übersicht behielt und den vollen Punkt einstrich. Xander,
der gemeinsam mit seinem Kumpel Dick Floor bei den Eltern von Organisator Andi
Albers wohnt, braucht noch eine IM-Norm zum Titel, mit 4/4 liegt er natürlich
voll auf Kurs. Für die Holländer erweist sich das Schachfestival immer mehr zu
einem einzigen großen Erfolg. Jouke Algra (2068) aus Friesland erlegte in Runde
2 erstmal FM Gerd Putzbach und legte nun einen Sieg gegen IM Manfred Glienke,
immerhin ehemaliger Deutscher Einzelmeister nach. Jouke ist ständiger Gast bei
der Partiekommentierung von Merijn van Delft und lernt täglich dazu. Bei der
Vorführung seiner gestrigen Partie kommentierte er seine Züge Tad8 und Tfe8 mit:
„Merijn, Du hast gestern gesagt, wenn man die Türme zentriert, ergeben sich die
taktischen Tricks von selbst.“ Zwei Züge später entschied Jouke die Partie für sich.
Weiterhin gut in Form ist auch „Marathonfrau“ Steffi Schulz, die zum zweiten Mal in Folge die
längste Partie des Tages spielte. FM Stefan Gottuk kam über ein Remis nicht
hinaus. Wie im B-Turnier auch überzeugen auch hier die Damen, WIM Anne Czäczine
nutzte eine „Unaufmerksamkeit“ von Dirk Sebastian und hatte sogar zwei Bauern
mehr, im ungleichfarbigen Läuferendspiel. Aber Dirk verteidigte sich zäh und
hielt zumindest den halben Punkt fest.
Keinen guten Tag erlebten die Jugendlichen des HSK. Stefan Schnock hatte gegen Niclas
Huschenbeth das Nachsehen, Frank Bracker versuchte es mit der Brechstange gegen
Viktor Lochmann, dessen „Turnierwende“ ja bereits im Bericht über das B-Turnier
erwähnt wird. Und der Greifswalder Gordon Zimmermann überspielte den Hamburger
U16 Meister Florian Held und gewann sicher und schnell. Im Moment läuft aber
auch alles bei Gordon zusammen, erst machte sich während der ersten Runde Mama
Anja auf den Weg zur nächsten Buchhandlung, um den neuen „Harry Potter“ zu
besorgen, dann ging der Traum in Erfüllung gegen Alexei Shirov spielen zu dürfen
und gestern besuchte Turnierorganisator GM Igor Glek seinen Schützling. Vor
Florian hatte Gordon viel Respekt, aber keine Angst, die ihn am guten Spielen hindert.
Text und Fotos: Team Hamburger Schachfestival