Jubiläumsjahr des Hamburger Schachklubs
1. Klaus-Junge-Open:
Fünf Spieler mit 7,5 aus 9 an der Spitze beim Hamburger Schachfestival
Das Hamburger Schachfestival 2005, das vom 01. bis 09. Oktober in der Sporthalle Hamburg ausgetragen wurde, wurde vom Hamburger Schachklub von 1830 e.V. anlässlich seines 175jährigen Jubiläums veranstaltet. Nach der Ausstellung Schachpartie durch Zeiten und Welten im Museum für Kunst und Gewerbe, der Jubiläumsfeier ebendort und dem Senatsempfang war das Schachfestival ein würdiger Schlusspunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten.
Unser Dank gilt vor allem der Sportstadt Hamburg, die uns die wunderschöne Sporthalle Hamburg zur Verfügung stellte - sie bot einen idealen Rahmen für ein richtiges Schachfestival! Mit Hilfe der SIGNAL IDUNA konnten wir im Rahmenprogramm eine Simultanveranstaltung mit GM Alexei Shirov veranstalten, einer der Höhepunkte des Schachfestivals! Unser Dank gilt außerdem allen Teilnehmern des Schachfestivals und allen unzähligen Helfern aus dem Klub und vielen Freunden, die im Vorfeld und während des Turniers wirklich Großes geleistet haben:
Einen Tag vor Turnierbeginn wurde die Sporthalle Hamburg von über 40 Helfern hergerichtet. Dazu mussten aus vier Hamburger Schulen Tische und Stühle geholt werden unser Dank gilt natürlich diesen Schulen, die uns ihr Mobiliar zur Verfügung stellten: Gymnasium Marienthal, Gymnasium Grootmoor, Wichern-Schule und die Adolf-Schönfelder-Schule! Während ein zweites Team die Ankunft der Spieler organisierte und den ganzen Tag zwischen Hauptbahnhof, Flughafen und Schachklub hin- und herpendelte, wurde der von Andreas Schild und Manfred Stejskal generalstabsmäßig vorbereitete Hallenplan zum Aufbau von 10 bis 22 Uhr durchgeführt.
Die jungfräuliche Halle - 10 Stunden Arbeit liegen vor den Helfern.
Der generalstabsmäßige Aufbauplan für die Sporthalle Hamburg.
Die erste Fuhre Stühle aus dem Gymnasium Marienthal trifft ein.
Manfred Stejskal (vorne), Arthur Hofmeier (hinten l.) und Bernd Grube justieren die
Tischplatten aus der Wichern-Schule, Christian Zickelbein (l.) auf Stippvisite.
Arthur Hofmeier (l.) und Markus Lindinger bringen ein
Transparent auf der Tribüne an.
Auch am Haupteingang ist alles für das Eintreffen der Spieler bereit.
Als am nächsten Morgen um 10 Uhr die Halle die Pforten für die ersten Helfer öffnete, war die Begeisterung natürlich groß! Schön auch, dass gleich schon die ersten Spieler zur Registrierung erschienen und sich ihre ID-Card, ihren Kugelschreiber und das Bulletin abholten. Leider kam dann doch die große Masse der Spieler erst kurz vor Toresschluss um 14 Uhr zur Registrierung, was doch den ein oder andren Stau an den Schlangen verursachte Mit einer guten halben Stunde Verzögerung wurden die Registrierungsstände geschlossen und Schiedsrichter und Turnierdirektion zogen sich zum nochmaligen Checken der Listen zurück. Leider fehlten in den zuerst ausgehängten Paarungen noch einige Spieler, so dass noch einmal gepaart werden musste. Auch im B-Turnier passierte dieses Missgeschick, so dass Christian Zickelbein, Vorsitzender des Hamburger Schachklubs und André van de Velde, Vorsitzender des Hamburger Schachverbandes, ihre Begrüßungsreden schon vor dem Erscheinen der endgültigen Paarungen hielten und alle Spieler zur Hamburger Schachfestival begrüßten.
Registrierung zum Hamburger Schachfestival: Holger Moritz, Jürgen Kohlstädt,
Helmut Jürgens und Matthias Müller (v. l.) - die Ruhe vor dem Sturm.
Großer Andrang bei der Registrierung.
Bei der Anmeldung machte Toni Völschow, unterstützt von Katja Stellwagen, Fotos von fast allen Teilnehmern. Hierbei gelangen ihr außergewöhnlich viele gute Schnappschüsse von den diesbezüglich ja eher schwierigen Schachspielern:
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Es ist angerichtet in der Sporthalle Hamburg
und 420 Schachfreunde sind gekommen.
Und dann konnte es endlich losgehen:
297 Spieler im 3. Klaus-Junge-Open (A-Open) und 123 Spieler im 2. Walter-Robinow-Turnier (B-Open) nahmen von der Sporthalle Hamburg Besitz und machten die ersten Züge: Insgesamt sind in Hamburg 65 Titelträger am Start: 20 Großmeister, 17 Internationale Meister, 23 FIDE-Meister, eine Großmeisterin, zwei WIM und zwei WFM. 19 Frauen sind unter 297 Spielerin im A-Open, 243 Spieler haben eine ELO-Zahl. Die Teilnehmer kommen aus 22 Nationen, dabei kommt mit 14 Spielern die größte Delegation aus den Niederlanden!
Gleich in der ersten Runde kamen die Favoriten an einigen Brettern gehörig ins Schwitzen, und die stets auf David-gegen-Goliath-Siege lauernden Kiebitze schienen auf ihre Kosten zu kommen. Doch wie üblich behielten die Meister in den meisten Fällen die besseren Nerven und machten die vorletzten Fehler auch das gehört zum Meister sein! Am Ende blieb es bei einer großen Sensation: Der schwedische GM Thomas Ernst (2459) unterlag der HSK Nachwuchshoffnung Frank Bracker (2064)!
Frank Bracker (l.) zeigt mit Merijn van Delft seinen Sieg
gegen GM Thomas Ernst.
Auch in der zweiten Runde mussten wieder einige Favoriten Federn lassen Andreas Hein gelang ein Remis GM Ivan Ivanisevic und auch GM Alexander Kovchan (gegen Andre Wurzel) und der Dresdner Jens Uwe Maiwald (gegen Peter Drost) mussten sich mit der Punkteteilung begnügen. Der wirkliche Held der ersten beiden Runden war jedoch Hans-Peter Köpcke von Union Eimsbüttel: Mit einer Elozahl von 2110 bremste er in der ersten Runde Topfavorit GM Evgenij Miroshinenko aus, in der zweiten Runde remisierte er gleich auch noch gegen GM David Baramidze!
WIM Anna Sharevich gegen Hans-Peter Köpcke
Die dritte Runde brachte weitere Überraschungen. Der junge Magdeburger Jevgeni Degtiarev remisierte mit Weiß gegen den Sieger des Blitzturniers GM Vladimir Baklan, ebenso wie Marlon Schlawin gegen GM Edvins Kengis. Auch WGM Marta Zielinska versuchte es nach ihren beiden Zeitnotschlachten einmal ruhig gegen GM Alexander Riazantsev und remisierte ebenfalls. Ganz nah dran an der Punkteteilung war Dirk Sebastian, der gegen GM Perunovic forciert remisieren konnte und stattdessen einzügig eine Figur einstellte. Ganze Punkte gegen Titelträger gelangen Jan Dietrich Wendt, der mittlerweile in Berlin seine Zelte aufgeschlagen hat, aber natürlich auch ein richtiger Hamburger Jung ist. Jan besiegte IM Sebastian Siebrecht und ist damit immer noch bei 100 %. Ebenso wie der zweite Überraschungsmann Harald Schmidt. Der Namensvetter des berühmten Entertainers brachte GM Shchekachev zu Fall (Glückwunsch zum Skalp!). Die vermutlich interessanteste Partie rein von den beiden Kontrahenten her gesehen war sicherlich an Brett 3 zu finden: 13 jähriger schlägt erfahrenen Großmeister - die Sensation der 3. Runde. Immerhin handelt es sich um keinen "normalen" Teen, sondern um einen FM mit einer ELO von 2380!
FM Fabiano Caruana (13) gegen GM Lubomir Ftacnik
Nach vier Runden lichtete sich so langsam das Feld im 3. Klaus-Junge-Open und die ersten Favoriten, die bereits gepatzt hatten, schließen wieder auf. Am Spitzenbrett verteidigte sich GM Dorian Rogozenko sehr genau gegen GM Robert Kempinski. Dorian verzweifelte ein wenig der Auslosung: Es ist meine fünfte Partie gegen Robert und ich habe immer Schwarz! Immerhin hatte er bisher zweimal gewonnen und zwei Remisen, nicht schlecht gegen das Brett 2 der HSK Bundesliga Mannschaft. Die Überraschung der Runde gelang dem Holländer Xander Wemmers, der in der Zeitnotphase gegen GM Stelios Halkias, die bessere Übersicht behielt und den vollen Punkt einstrich. Xander, der gemeinsam mit seinem Kumpel Dick Floor bei den Eltern von Organisator Andi Albers wohnt, braucht noch eine IM-Norm zum Titel, mit 4/4 liegt er natürlich voll auf Kurs.
GM Stelios Halkias
Weil wir von Xander leider kein gutes Foto geschossen haben, muss leider der arme Stelios dran glauben aber wenigstens ist Xander selbst geschmiertes Wurstbrot noch mit drauf!
Für die Holländer erweist sich das Schachfestival immer mehr zu einem einzigen großen Erfolg. Jouke Algra (2068) aus Friesland erlegte in Runde 2 erstmal FM Gerd Putzbach und legte nun einen Sieg gegen IM Manfred Glienke, immerhin ehemaliger Deutscher Einzelmeister nach. Jouke ist ständiger Gast bei der Partiekommentierung von Merijn van Delft und lernt täglich dazu. Bei der Vorführung seiner gestrigen Partie kommentierte er seine Züge Tad8 und Tfe8 mit: Merijn, Du hast gestern gesagt, wenn man die Türme zentriert, ergeben sich die taktischen Tricks von selbst. Zwei Züge später entschied Jouke die Partie für sich. Dramatische Szenen spielten sich in der fünften Runde. In der letzten Partie des Tages rangen Alexander Riazantzev und Thies Heinemann verbissen um den vollen Punkt. In Alexanders Zeitnot versuchte Thies mitzublitzen und wurde hierfür bitter bestraft.
GM Alexander Riazantsev (r.) gegen IM Thies Heinemann
Besser machten es GM Namig Gouliev und Youri Solodovnichenko, die gegen Danilo Milanovic und Xander Wemmers gewannen. An Tisch 1 kommt es damit heute zum Aufeinandertreffen der beiden letzten Spieler mit 5/5, wir hoffen auf einen großen Kampf und keine schnellen Friedensverhandlungen. Aber auch in dieser Runde wurden einige Großmeisterskalps gesammelt. IM Piotr Murdzia erlegte Milos Perunovic und IM Michael Kopylov gewann gegen GM Edvins Kengis, der in ausgeglichener Stellung einen Zug machte: von dem ich wusste dass es schlecht ist
IM Piotr Mudzia (l.) gegen GM Milos Perunovic
Helmut Reefschläger war nach eigener Aussage zu feige und nahm das Remisangebot von GM Stelios Halkias an, nachdem er ihn strategisch bereits völlig überspielt hatte. Sehr stark auch die Vorstellung von Niclas Huschenbeth, der FM Fred Hedke klar bezwang.
IM Dr. Helmut Reefschläger
In der sechsten Runde begann so langsam die Zeit der kurzen Remisen - aber eine ganze Reihe von Großmeistern ist durchaus bereit kräftig zu kämpfen. Schnell einig waren sich Yelena Dembo und Eduardas Rozentalis, Michael Kopylov und Vereslaw Eingorn. Michael warte mit seinem Remis seine guten Chancen auf eine GM-Norm, aber austrudeln lassen kann er noch lange nicht Am Spitzenbrett lehnte Yuri Solodovnichenko eine Friedensofferte ab, um drei Züge später selber anzubieten, Namig Gouliev nahm dankend an. Wesentlich länger musste Piotr Murdzia kämpfen, um den halben Punkt gegen Vladimir Potkin festzuhalten, auch Piotr liegt noch voll auf GM-Norm Kurs. Als dritter im Bunde hat IM Danilo Milanovic Chancen auf eine Norm zum Großmeister. Gestern bezwang er die Nummer 1 des Turniers Evgenij Miroshnichenko in einer wahren Seeschlange. 129 Züge, davon 50 innerhalb von nur 5 Minuten Restbedenkzeit brauchte Danilo, dann reichte Miro die Hand zur Aufgabe. Am Brett 2 fighteten der Holländer Friso Nijboer und Robert Kempinksi lange um den vollen Punkt, beide boten einmal die Punkteteilung an, doch es war noch zu früh. Am Ende konnte aber doch keine Seite mehr Fortschritte machen. Friso kam danach zur Live-Analyse und erläuterte seine Gedanken ausführlich den neugierigen Zuschauern.
Friso Nijboer beim Live Kommentar.
Auch Dorian Rogozenko und Alexander Riazantzev versuchten einiges und teilten dennoch den Punkt. Somit verteidigen Youri Solodovnichenko und Namig Gouliev ihre Führung von einem halben Punkt, aber die Gruppe der Verfolger ist wesentlich größer geworden. Neben Danilo Milanovic kommen nun auch Lubomir Ftacnik, Vladimir Baklan, Anatoli Donchenko und Andrej Shchekachev, sowie Alexander Kovchan, Jens-Uwe Maiwald und Sebastian Siebrecht auf 5 Punkte aus 6 Partien.
Erwartungsgemäß brachte die siebte Runde einige schnelle Remisen an den Spitzenbrettern mit sich: An Tisch 1 trennten sich GM Namig Gouliev und GM Lubomir Ftacnik friedlich und zuvor hatten sich auch schon GM Alexander Riazantsev und IM Yuri Solodovnichenko, GM Alexander Kovchan und GM Vladimir Baklan und GM Jens-Uwe Maiwald und GM Andrei Shcheachev geeinigt. An den meisten anderen Brettern aber wurde hart gekämpft unter anderem bis zum Ende der sechsten Stunde im griechisch-griechischem Duell zwischen GM Stelios Halkias und IM Georgios Souleidis. GM Robert Kempinski gewann mit Weiß gegen IM Sebastian Siebrecht, der damit die GM-Norm-Träume für Hamburg begraben musste ...
GM Robert Kempinski (l.) gegen IM Sebastian Siebrecht
Dramatisch das Zeitnotfinish von IM Michael Kopylov mit Schwarz gegen GM Vladimir Potkin, das der Norderstedter für sich entscheiden konnte und der damit ganz klar auf GM-Norm-Kurs liegt! Überboten wurde diese Zeitnot allerdings noch durch die letzte Partie des Tages: IM Anatoli Donchenko vom ESV Lok Sömmerda hatte Springer und zwei Bauern gegen die Dame und schlug GM Dorian Rogozenko praktisch in letzter Minute. Beinahe ebenso machte Evgueni Chevelevitch mit Schwarz gegen GM Eduardas Rozentalis Gewinnversuche, bevor die Stellung doch Remis war doch Evgueni aus der 2. Mannschaft des HSK liegt damit weiter auf IM-Norm-Kurs!
GM Eduardas Rozentalis (l.) gegen Evgueni Chevelevtich
Ebenso erfreulich das hart erkämpfte Remis von unserem Freund IM Piotr Murdzia gegen GM Friso Nijboer hier sind die Chancen auf die GM-Norm noch voll vorhanden! Ebenso mit Schwarz kämpfte Jürgen Stanke gegen die Nr. 1 Evgenij Miroshnichenko und war am Ende mit der Punkteteilung gar nicht ganz zufrieden
Begeistert hat uns auch der Sieg von WGM Marta Zielinska gegen GM Milos Perunovic, die zum ersten Mal einen 2560er geschlagen hat und eine IM-Norm machen kann die interessiert Sie laut eigener Aussage aber gar nicht so sehr
WGM Marta Zielinska
Sensationell auch das bisherige Abschneiden von IM Yelena Dembo, das wir natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten: Sie schlug heute die Hamburger Nachwuchshoffnung Niklas Huschenbeth, ist auf GM-Norm-Kurs und spielt heute gegen GM David Baramidze.
Niclas Huschenbeth gegen IM Yelena Dembo
Ein HSK internes Duell gab es an Tisch 17: Die Bundesligaspieler Auch Dirk Sebastian und Thies Heinemann kämpften bis kurz in die Blitzphase der sechsten Stunde Dirk aber konnte seinen Vorteil zum Schluss nicht verwerten und die Partie endete Remis.
Nach relativ vielen schnellen Remisen in den Runden sechs und sieben, war in der achten Runde wieder Kampfesstimmung angesagt. An den ersten Tischen waren sich lediglich GM Robert Kempinski und IM Yuri Solodovnichenko relativ schnell einig, an den nächsten sieben Tischen wurde erbittert um den vollen Punkt gekämpft. GM Vereslaw Eingorn sicherte sich in der ihm eigenen Art den Sieg gegen IM Anatoli Donchenko. GM-Norm Kandidat Michael Kopylov versuchte mit einem schnellen Remisangebot seinem Ziel näher zu kommen, aber er hatte die Rechnung ohne GM Namig Gouliev gemacht. Der Azerbaidschaner, der mittlerweile in Paris wohnt, hatte in den letzten beiden Runden genügend Kraft gespart und zieht nun zum großen Schlussspurt an. Damit führen die Namig Gouliev und Yuri Solodovnichenko vor der letzten Runde allein mit 7 aus 8 und treffen morgen im direkten Duell aufeinander! Sollte es ein schnelles Remis geben, stehen bereits mehrere Spieler bereit, die beiden noch vom Thron zu stürzen. GM Edvins Kengis besiegte gestern den Jungstar GM Alexander Riazantsev, GM Alexander Kovchan konnte mit den schwarzen Steinen GM Andrej Shchekachev besiegen. Eine starke Vorstellung zeigte auch GM Jens Uwe Maiwald, der dem sympathischen Griechen GM Stelios Halkias keine Chance ließ. Ebensowenig Land sah IM Piotr Murdzia, der noch gut im Rennen um eine GM-Norm lag. Doch GM Valdimir Baklan machte von Anfang an Druck: I was fighting for a draw from the beginning, he has played very good. war Piotrs Kommentar nach der Partie. Ein heißes Duell fand auch zwischen GM Lubomir Ftacnik und GM Friso Nijboer statt. Lubo hatte eine Überraschung vorbereitet und wollte unbedingt gewinnen, aber Friso reagierte brillant und erreichte bald die angenehmere Stellung. Lubo war schwer beeindruckt: Ich habe bis kurz vor Schluss auf meine Chance gehofft, aber er hat sehr stark gespielt.
Die schnellste Partie der letzten Runde endete nach drei Minuten an Tisch 1. Die beiden Großmeister Namig Gouliev und Vereslaw Eingorn sicherten mit einem kurzen Remis den geteilten ersten Platz.
Ein Remis zum Turniersieg: GM Namig Gouliev (l.) und GM
Vereslaw Eingorn
Das war allerdings das Startsignal für die jagenden Verfolger, gab es doch plötzlich die Möglichkeit mit einem Sieg doch noch ganz nach vorne zu springen. Und auch um die hinteren Plätze wurde kräftig gekämpft. Der polnische Nationalspieler und langjährige Stütze der HSK Bundesligamannschaft GM Robert Kempinski nutze sein Heimspiel und bezwang GM Edvins Kengis in einem spannenden Endspiel.
Ta6! war der Gewinnzug in GM Robert Kempinski (l.) gegen GM
Edvins Kengis.
Und auch der sympathische Holländer Friso Nijboer konnte seine letzte Partie gegen den über 2600 Elopunkte schweren Ukrainer Vladimir Baklan gewinnen. Eine ganz verwickelte Partie entwickelte sich zwischen Alexander Kovchan und dem lange Mitführenden Youri Solodovnichenko. Am Ende hatte Youri das bessere Ende für sich und erreichte somit auch 7,5 Punkte. Was ihn noch viel mehr freute war das Erreichen seiner dritten und letzten GM-Norm, Youri wird also auf dem nächsten FIDE-Kongress der Titel des Großmeisters verliehen.
Eine Großmeisternorm erzielten noch zwei weitere Spieler: Für Michael Kopylov aus Norderstedt war es die erste Norm, er verlor nur gegen Namig Gouliev und machte mit einem nie gefährdeten Sieg gegen Falko Meyer in Runde 9 alles klar.
Die Sensation des Turniers war aber sicherlich der Auftritt von IM Yelena Dembo. Die Globetrotterin besiegte IM Danilo Milanovic mit einer Leichtigkeit, dass man denken könnte es ginge um nichts. In Runde 4 hatte das schon GM Jonny Hector zu spüren bekommen. Yelena, in Russland geboren, dann nach Ungarn gezogen, zwischenzeitlich in Israel beheimatet und nun mit dem Griechen Sotirios Logothetis verheiratet erzielte mit ihren 7 Punkten aus 9 Partien ebenfalls ihre erste GM-Norm.
IM Yelena Dembo erste GM-Norm!
Neben dem Turniersieg ging es für die Hamburger Spieler auch um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. Falko Meyer hatte sich mit seiner Niederlage gegen Kopylov aus dem Rennen verabschiedet. Dirk Sebastian versuchte es lange, schließlich winkte bei einem Sieg sogar seine letzte benötigte IM-Norm, aber sein Bundesliga Teamkollege Lubomir Ftacnik wehrte sich nach Kräften und gab am Ende ein Dauerschach. Die Gunst der Stunde nutzte Thies Heinemann, der 5 Stunden und 58 Minuten lang mit Jan Dietrich Wendt rang und am Ende den vollen Punkt und das Ticket zur Deutschen Meisterschaft mit nach Hause nehmen konnte.
Letzte Partie des Hamburger Schachfestivals 2005: Jan Wendt (r.) gegen IM Thies
Heinemann.
Der zweite Jugendpreis hinter GM David Baramidze war der Trost für einen der Topfavoriten: GM Alexander Riazantsev hatte nicht sein stärkstes Turnier erwischt und konnte sich in der letzten Runde zumindest noch auf 6,5/9 hieven. Wesentlich entspannter schon der junge Bochumer Ilja Zaragatzki. Mit einem sensationellen Sieg in Runde 9 gegen die Nummer 1 der Setzliste, Evgenij Miroshnichenko sicherte er sich nicht einen guten 23. Platz. Eine IM-Norm sicherte sich der Hamburger Jürgen Stanke und die seit langem für das HSK Frauenbundesliga-Team spielende WGM Marta Zielinska. Evgenij Chevelevich verfehlte die IM-Norm leider knapp ihm fehlte ein Titelträger. Und noch eine IM-Norm gibt es zu vermelden: Der Magdeburger Evgenij Degtiarev, der vor einem Monat noch kräftig in der Organisation der Norddeutschen Meisterschaft U16 eingebunden war, hielt in Runde 8 gegen den Weltklassemann Eduardas Rozentalis remis und spielte so stark, das selbst eine Niederlage in der letzten Runde gegen Stelios Halkias nicht mehr störte. Beste Frau des Turniers hinter IM Yelena Dembo (die den höher dotierten Preis fürs Gesamtklassement bekam) wurde IM Viktorija Cmilyte aus vor WGM Marta Zielinska und der WIM Anna Sharevich. In der Seniorenwertung war Anatolij Donchenko eine Klasse für sich, auf den Plätzen folgten die Hamburger Legende IM Helmut Reefschläger und IM Sergei Salov.
2. Walter-Robinow-Turnier:
Die Morgenstern leuchtet über dem B-Turnier!
Die erste Entscheidung fiel an Tisch 1 des B-Turnieres. Die überragende Petra Morgenstern sicherte mit einem schnellen Remis gegen Matthias Lohrie ihren alleinigen Turniersieg. 8 Punkte aus 9 Partien sprechen eine klare Sprache. Lediglich in Runde 2 (gegen den stark aufspielenden Björn Hackbarth) und in Runde 6 (gegen Lennart Colpe) hatten ihre Gegner durchaus Chancen, doch nur Björn erkämpfte sich einen verdienten halben Punkt. Alle anderen mussten die Überlegenheit anerkennen und gratulierten der charmanten Dame zum Turniersieg. Nach dieser Entscheidung wurde an den nächsten Tischen erbittert gekämpft, ging es doch noch um allerhand Preise. Der DWZ-lose Simon Henke aus Bargteheide besiegte Favorit Thomas Meyer und schob sich auf Platz 2 und wird mit einer starken Wertungszahl von 1939 in die Listen eingehen. Und auch Lennart Colpe hatte seine zwischenzeitliche Durststrecke überwunden und bezwang den erfahrenen Werner Voss in einer schönen Partie. Es war Werners erste Niederlage im Turnier und das Schweizer System warf in weit nach hinten, dabei zeigte Werner eine ganz starke Leistung und das einzige was er sich vielleicht vorwirft ist seine etwas zu große Friedfertigkeit in den mittleren Runden. Für den ausrichtenden Verein war die Vorstellung von Katja Stellwagen sicher die schönste Überraschung. Mit einem Remis gegen den Überraschungsmann Simon Henke ins Turnier gestartet, sah es zuerst nicht nach einem guten Turnier aus. Doch Katja kämpfte sich in die Erfolgsspur und zeigte auch in der Schlussrunde gegen den lange vorne mitspielenden Herwarth Ernst Nervenstärke. Am Ende standen 7 Punkte, keine Niederlage und ein DWZ-Plus von sage und schreibe 182 Punkten! Doch nicht nur im Turnier war Katja in Form, nach ihrer Partie fand sie sich beinahe jeden Tag im Büro der Turnierleitung wieder und gab unzählige Partien ein, kommentierte eine eigene Partie und sorgte somit, wie so viele andere HSKler dafür, dass dieses Festival eine große Teamleistung des Klubs wurde.
Als fünfter Spieler schob sich Knut Schümann in die Riege der Siebenpunkter und damit auf den geteilten zweiten Platz. Knut spielte ein eher unauffälliges Turnier doch nach seiner überraschenden Niederlage gegen Rainer Klimanek in der 4.Runde gab er noch mal Gas und erspielte mit 4,5 aus 5 einen ganz starken Schlussspurt.
Völlig aufgegeben hatte schon Fritz Möller, der katastrophal ins Turnier gestartet war, doch am Ende besiegt er Andre Ahrens, gewann die Seniorenwertung und strahlte vor stolz. Beste Die Jugendpreise wurden eine Beute der Jungs von Weisse Dame Hamburg. Jan Ludwig gewann den ersten Preis, Daniel Pfeiffer wurde Dritter. Dazwischen schob sich Julian Schwarzat von TuRa Harksheide. Keine weiteren Preise gingen an die Talente des HSK, dafür aber dreistellige DWZ Gewinne für Robin Schimmelpfennig (168), Björn Meister(162), Annica Garny (171 und Valentin Chevelevitch (107) und natürlich jede Menge Erfahrung durch die Partien und die Analysen mit Christian Zickelbein.
(Text: Eva Maria Zickelbein)
Fotos: HSK