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Dem Jubiläums-Open helfen und neue Freunde kennen lernen

Eine hoffentlich „ansteckende“ Geschichte von Andreas Albers

Okay, um es vorweg zunehmen, ich habe wohl einfach auch ein bisschen Glück gehabt.

Beim Hamburger Wichern-Open 1999 kam mir die Idee, ich hatte Platz in meiner Wohnung und die Turnierleitung suchte noch Unterbringungsmöglichkeiten für auswärtige Meisterspieler. So stellte mir „Engie“ (Christoph Engelbert) vor der ersten Runde den lettischen Großmeister Igor Rausis vor. Ein relativ kleiner, zurückhaltender, ruhiger Mann mit lächelnden Augen, der gutes Deutsch mit einem französischen (?) Akzent sprach und schon im ersten Moment einen unkomplizierten Eindruck machte. Obwohl wir uns vorher noch nie gesehen hatten, bemerkte ich, dass er, nachdem er seine Auftaktpartie gewonnen hatte, mir immer mal wieder über die Schulter blickte. Ich konnte damals einen halben Punkt gegen Elo 2200 holen, was für mich ein großer Erfolg war. Igor war nach der Partie überrascht, hatte er doch nach dem Partieverlauf mich für den Favoriten in dieser Partie gehalten. So fuhren wir gemeinsam zu mir nach Hause, analysierten ein wenig und lernten uns näher kennen. Igor ist wohl das, was man einen Weltenbummler nennt, immer unterwegs zwischen Frankreich, der Schweiz und seiner Heimat Riga. Spätestens als er erzählte, der Jugendtrainer von Alexej Shirov gewesen zu sein und auch jetzt noch gelegentlich als dessen Sekundant zu arbeiten, war ich mit meinen 20 Jahren schwer beeindruckt. Noch viele Abende sollten wir so verbringen, und nach dem Turnier bedankte Igor sich mit dem Versprechen, gerne einmal wiederkommen zu wollen.

Wir tauschten unsere e-Mail Adressen und blieben in losem Kontakt. Als die Turnierleitung der Hamburger Meisterschaft mich fragte, ob ich bereit wäre, wieder jemanden bei mir wohnen zu lassen, war klar, wen ich einladen wollte. Mittlerweile hatte es Igor wirklich um die ganze Welt getrieben, er war Nationaltrainer von Bangladesh geworden! Aber für die Hamburger Meisterschaft hatte er Zeit, und so kehrte Igor zurück nach Hamburg. Zwischen 2000 und 2002 spielte er noch dreimal die Hamburger Meisterschaft (und erwies sich stets als netter Gast, der auch gleich noch ein paar Elo-Punkte hier ließ), 2001 besuchte seine Nationalmannschaft (Bangladesh) das letzte Wichern-Open und wirbelte die Hamburger Schachszene ordentlich durcheinander.

So hält unsere Freundschaft mittlerweile fünf Jahre und im letzten Jahr erhielt ich eine e-Mail: „Ich habe so oft bei Dir gewohnt und es war immer sehr nett, ich muss mich endlich revanchieren.“. Ich hatte schon erfahren, dass es Igor mittlerweile in den arabischen Raum verschlagen hatte, und so schlug er zuerst ein kleines Open mit Blick auf die Pyramiden von Gizeh vor! Leider klappte dies bei mir nicht, aber dann kam die folgende Nachricht: „Hier gibt es im April 2004 ein schönes Open, ich spreche mit der Organisation und Du musst kommen!“ Ich traute meinen Augen nicht, „Hier“ ist nun einmal kein anderer Ort als Dubai, wo Igor mittlerweile als Trainer arbeitet und sich niedergelassen hat. So kam es, dass ein Hamburger Student seine Ferien in einer der unglaublichsten Städte der Welt verbrachte. Es sprengt den Rahmen dieses Berichtes Details aus Dubai zu erzählen, aber für alle Interessierten findet sich unter: http://www.chessbase.de/nachrichten.asp?newsid=3108 einer meiner Chessbase-Berichte über Dubai. Es hat sich eine wunderbare Freundschaft zwischen dem „netten Letten“ Igor und mir entwickelt, und spätestens im kommenden Jahr haben wir ein Wiedersehen in Dubai verabredet.

Natürlich ist dies etwas Besonderes, aber auch andere Beispiele zeigen viel Gutes. So ist zum Beispiel Großmeister Dorian Rogozenko seit Jahren in Hamburg bei Familie Graffenberger zu Gast und würde mittlerweile wahrscheinlich auch kein Hotel als Alternative annehmen, zu nett ist die familiäre Atmosphäre.

Feuer und Flamme für das Hamburger Schachfestival 2005

Mit meiner Geschichte möchte ich allen Mitgliedern und Freunden Mut machen, sich schon jetzt nicht nur auf das Hamburger Schachfestival zum HSK-Jubiläum zu freuen, sondern auch darüber nachzudenken, wie jeder zu seinem Gelingen beitragen kann. Angesichts des im Vergleich zu anderen Internationalen Turnieren schmalen Etats können wir das Turnier vor allem durch uns selbst, durch unsere Gastfreundschaft und unseren Einsatz, attraktiv machen, attraktiver vielleicht als manche andere große Veranstaltung.
Auf dem Photo zu meiner Geschichte finden sich statt Igor Rausis weitere Schachfreunde, die ich in Dubai kennen gelernt und nun auf Mallorca während der Schach-Olympiade wieder-getroffen habe: Martin Poulsen wird unser IM-Turnier Anfang Januar 2005 mitspielen und natürlich bei mir wohnen. Und IM Sergey Kayumov (Usbekistan), der neue Coach der Faroer-Inseln, wird vermutlich mit der ganze Faröer-Nationalmannschaft im Oktober 2005 nach Hamburg kommen - und bei mir wohnen. Das Team übrigens kommt vielleicht sogar schon im Januar mit Martin mit ...
Es wäre großartig, wenn der Klub und seine Mitglieder und Freunde viele Unterkünfte für auswärtige Spieler bereit stellen und damit außerordentliche Voraussetzungen für eine einzig-artige Turnieratmosphäre schaffen könnten: Gens una sumus - nicht nur als Devise, sondern als Realität! Übrigens sollten wie dabei nicht nur an Spitzenspieler denken - auf allen Ebenen und besonders zwischen Jugendlichen können neue Freundschaften entstehen - insofern sind auch unsere Eltern „gefragt“. Wir alle sind gefordert und haben eine große Chance, etwas für den Klub und uns zugleich zu tun!

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